Verband Bildung und Erziehung

Mecklenburg-Vorpommern

Ein Filmgespräch zeigt den Ist-Zustand der Inklusionsbaustelle
Im Film „Ich.Du.Inklusion“ von Thomas Binn wird schonungslos deutlich, wie es derzeit zum Thema Inklusion an deutschen Schulen steht. Beim Filmgespräch am 12. Juni 2017 im Rostocker LIWU, das vom VBE MV initiiert wurde, war bei den Zuschauern der Eindruck des Filmes deutlich zu hören: Die Mehrheit der anwesenden Pädagoginnen und Pädagogen pflichteten den Aussagen der Dokumentation bei. Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen würde Inklusion zum Krampf und könne nicht gelingen. Miriam Haferkamp, Referentin für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Inklusionsstrategie des Bildungsministeriums MV, die zusammen mit dem Vorsitzenden des VBE in MV, Michael Blanck, auf dem Podium saß, verwies daher auch schnell auf den Weg, den man gemeinsam gehen müsse. „Ich sehe nicht ihre Arbeit im Klassenzimmer und Sie sehen nicht unsere Arbeit im Ministerium“, umriss sie das Problemfeld Kommunikation zwischen Pädagogen und Schulverwaltung. Bei den vielen Fragezeichen zur Inklusion, die sich aus den Statements und Kommentaren des Zuschauerplenums ergaben, wurde genau diese Crux noch deutlicher: Von den übergeordneten Stellen werden Konzepte ausgegeben – die Lehrerinnen und Lehrer jedoch haben große Mühe sich mit diesen zu identifizieren. Es bleiben die bekannten Fehlstellen.

Nur ein Beispiel: Eine Gymnasiallehrerin fragte, wie denn ausreichend Berücksichtigung und Förderung für die „starken Schülerinnen und Schüler“ einer inklusiven Klasse geschaffen werden könne. Frau Haferkamp verwies auf die 30 neuen Stellen für Begabtenförderung, die das Land geschaffen habe. Das Missverständnis in diesem Dialog liegt auf der Hand und zeigt, dass vor der Umsetzung der Inklusionsstrategie zuerst das Möglichmachen der Identifikation mit dem Thema gesetzt werden muss. Es darf landesweit nicht so weit kommen, wie eine Kollegin aus der Regionalen Schule ihren Frust äußerte: „Wir können eigentlich gehen – wir fühlen uns nach wie vor alleine gelassen!“.

Wenn Inklusion nicht zur Illusion verkommen soll, dann müssen die vielen Kolleginnen und Kollegen, die quasi über Nacht unter einem neuen Paradigma aufgewacht sind ernst genommen und an die Hand genommen werden. Sie brauchen neben professionelle Bedingungen für ihre Arbeit die notwendige Qualifikation – die sie aber nicht auch noch in ihrer Freizeit zu erwerben haben.

Der Film „Ich.Du.Inklusion“  mit dem Untertitel „…wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft“, ist ein wertvoller Beitrag für eine notwendige Diskussion, wie Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen und behutsam von allen mitgetragen werden muss. Der VBE ist bundesweiter Kooperationspartner des Films und unterstützt Vorführungen auch in unserem Bundesland. Der Film ist als DVD im Handel erhältlich.

Gottfried Hägele

Einen Tonmitschnitt gibt es hier

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